Restauratorin Dorothea Habel bei der Reinigung der Bronzefigur „Tanzende Bacchantin“ aus dem frühen 18. Jahrhundert Fotonachweis: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Mika Wißkirchen

Tag der Restaurierung: Auf Tuchfühlung mit den Materialien

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Wie konserviert man Plastik, welche Farbe hat Papier und inwieweit prägt Material das Kunstwerk? Beim 9. Europäischen Tag der Restaurierung laden Restaurator*innen in den Einrichtungen der SPK dazu ein, hinter die Kulissen zu schauen und die faszinierende Welt der Restaurierung kennenzulernen.

Georg Dietz ist die meiste Zeit des Tages von Papier umgeben: In seinem Büro finden sich Dokumente, Akten und zahllose Bücher und in seinem Museum, dem Kupferstichkabinett, wird seit jeher die Kunst auf Papier gesammelt. Als Chefrestaurator hat er also eine ganz besondere Beziehung zu dem Material. „Die Materialität kann uns sehr viele Informationen liefern, die dann im Zusammenspiel mit der kunsthistorischen Perspektive ganz neue Erkenntnisse über einzelne Kunstwerke ermöglichen“, erklärt Dietz. Zuletzt wurde hier am Kupferstichkabinett ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zu Cranach abgeschlossen, das auch zur Vorbereitung einer Ausstellung in 2027 dient.

„Wir haben sehr viel untersucht“, erinnert sich der Restaurator: „zum Beispiel, welche Zeichenmittel verwendet wurden, etwa Eisengallustinte oder Kohlenstofftusche. Aber wir haben uns auch das Papier angesehen und die Wasserzeichen sichtbar gemacht. Das ermöglichte uns eine zeitliche Neueinordnung bestimmter Werke.“ So konnte eine Zeichnung, die dem frühen Lucas Cranach dem Älteren zugeordnet wurde, wesentlich später datiert werden, da das Wasserzeichen auf die 1540er Jahre verwies. „Es war also ein späterer Cranach d. Ä. oder vielleicht sogar ein früher Cranach d. J.“, so Dietz. „Diese Info können wir liefern und dann müssen die Kuratoren überlegen, wo das Werk letztendlich kunsthistorisch und ikonografisch einzuordnen ist.“ In dem Fall handelte es sich wohl tatsächlich um ein Spätwerk von Lucas Cranach dem Älteren.

Die Restauratorinnen Tabea Harney und Antje Penz untersuchen zwei Lithographien von Käthe Kollwitz. Staatliche Museen zu Berlin / Juliane Eirich

„Wenn wir unsere Arbeit gut machen, dann bemerkt man sie nie“

Neben solchen spannenden Projekten besteht die Arbeit der Restauratorinnen aber auch zu großen Teilen aus Prävention und der ständigen Kontrolle der Sammlung. Hier geht es vor allem um Effizienz, wie Georg Dietz weiß: „Man kann Stunden mit der Restaurierung eines einzelnen Objektes zubringen – wenn man in der Zeit aber stattdessen die Umgebungsbedingungen im Depot prüft und optimiert, kann man gleich ganze Werk-Konvolute schützen und verhindern, dass sie in Zukunft aufwendig restauriert werden müssen.“ So achten Georg Dietz und seine Kolleg*innen immer auf Details wie Luftfeuchtigkeit, Klima und die Lagerbedingungen, wenn sie durch die Depots mit den ca. 700.000 Objekten des Kupferstichkabinetts gehen. „Man gewöhnt sich an, diese Fragen immer im Hinterkopf zu behalten, wenn man sich im Museum und den Depots bewegt“, so Dietz.

Zum Tag der Restaurierung wollen Georg Dietz und seine Kolleginnen am Kupferstichkabinett die eigentlich unsichtbare Arbeit der Restauratorinnen einmal in den Mittelpunkt stellen. „Wenn wir unsere Arbeit gut machen, dann bemerkt man sie nie“, so Dietz. Der Tag der Restaurierung ist für das Team die Chance, einmal zu zeigen, was in einem Museum täglich hinter den Kulissen passiert, um die Objekte zu schützen und zu erhalten und den Besuchenden in einwandfreiem Zustand zu zeigen.

Ein Thema wird diesmal „Weißes Papier“ sein: In einem Forschungsprojekt wurden jüngst Aufheller in Papier in der Kunst der Nachkriegszeit untersucht. In Führungen und Talks wollen die Fachleute erklären, wie die Künstler extrem helles Papier benutzten, das in der Erscheinung mehr als 100 % Brightness aufweist – also heller als reines Weiß ist – und gleichzeitig zeigen, was mit dem Papier geschieht, wenn es altert, und wie es durch seine Materialität das Kunstwerk prägt und mehr ist als ein reines Trägermaterial.

Gefäßscherben aus Bronze Foto: Iris Hertel

Objekte mit den Händen erfühlen

Ein ganz anderes Material, aber sehr ähnliche Fragen beschäftigen die Restauratorin Dorothea Habel im Bode-Museum. Für die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst liegt ihr Fokus als Metallrestauratorin vorwiegend auf Medaillen und Plaketten aus Bronze und anderen Metallen. Aber auch hier sind die Konservierung und das kontinuierliche Monitoring Teil der Kernaufgabe: „Unsere Aufgabe ist die fortwährende Betreuung der Objekte hier im Haus“, so die Restauratorin, „das reicht von der Reinigung und Dokumentation über das Handling der Werke beim Ausstellungsaufbau bis hin zur Datenbankpflege und der Dokumentation, z. B. für den Leihverkehr.“ Auch im Bode-Museum sind Fragen nach Klimatisierung, Verpackung und Lagerung ständige Begleiter der Restaurator*innen.

Dorothea Habel arbeitet derzeit an der Umlagerung von ca. 1.200 Plaketten in eine Umgebung mit besseren Klimabedingungen im Depot. Diese Medaillen und Plaketten stammen aus der frühen Neuzeit bis ins 18. Jahrhundert und zeigen eine Vielzahl von Motiven wie antike Götter, christliche Darstellungen oder Ehrenmotive zu besonderen Ereignissen oder Personen. „Das ist ein Großprojekt, an dem ich seit längerem arbeite“, so die Restauratorin. „Darüber hinaus bin ich aber auch regelmäßig in die Ausstellungsvorbereitung eingebunden, wo ich dann zum Beispiel Objekte vorbereite, Sockel und Vitrinen auswähle und die Bewegung der Objekte im Haus koordiniere.“

Zum Tag der Restaurierung thematisieren Habel und das Team des Bode-Museums die verschiedenen Materialitäten der Kunstwerke. In der Basilika wird es interaktive Stationen geben, an denen Besuchende auf Tuchfühlung gehen können: „Wir zeigen Objekte aus Perlmutt, Stein, Metall, Wachs und anderen Materialien, und man kann die auch anfassen, um die Unterschiede der Materialität zu verstehen“, so Habel. „Mich fasziniert an der Restaurierung, dass wir Objekte nicht nur mit den Augen sehen, sondern mit den Händen anfassen dürfen“, erklärt die Restauratorin. „Das möchten wir am Tag der Restaurierung den Besuchenden ebenfalls ermöglichen – und so eine ganz neue Perspektive auf die Objekte im Museum gewinnen!“

Studiensammlung im Museum © Staatliche Museen zu Berlin / Anika Büssemeier
Restaurierung in der Staatsbibliothek © Staatsbibliothek zu Berlin

Von abendländischen Handschriften bis zu historischen Drucken

Restaurierung ist aber nicht nur ein Thema für Museen. Auch in Bibliotheken und Archiven wird restauriert und mit fragilen Originalen umgegangen. In der Staatsbibliothek zu Berlin ist ein Team von 15 Restauratorinnen unter der Leitung von Frau Julia Bispinck-Roßbacher für die Restaurierung zuständig. „Als Team der Restaurierungswerkstatt sind wir für die Sammlungspflege unseres historischen Sonderbestands verantwortlich“, erklären die Restauratorinnen Katharina Wewerke, Simone Jahnen und Julia Bispinck-Roßbacher im Gespräch. Die Vielfalt des Bestands ist enorm: abendländische Handschriften und historische Drucke, Musikautographe, Handschriften aus dem islamischen Raum, Afrika und Asien, historische Karten und Atlanten sowie eine einmalige Sammlung von Kinder- und Jugendbüchern. Die Aufgaben des Restauratorinnenteams sind naturgemäß ebenso vielfältig: „Wir restaurieren einzelne Objekte, betreiben allgemeine Sammlungspflege durch Konservierung und Prävention, begleiten die Digitalisierung von Bibliotheksgut konservatorisch und betreuen Leihverkehr und eigene Ausstellungen im Stabi Kulturwerk.“

Zu den aktuell spannendsten Projekten der Restauratorinnen gehören die Restaurierung des Stundenbuchs der Maria von Geldern sowie der weltweit größten bekannten hebräischen Pergamenthandschrift aus dem 14. Jh. „Die Bearbeitungen einzelner Handschriften sind immer sehr individuell und abhängig vom Schadensbild und den verwendeten Materialien“, so die Expertinnen, „denn jedes Material altert anders und kann unterschiedlich auf restauratorische Behandlungen reagieren.“ Eine besondere Herausforderung für die Restauratorinnen besteht darin, die für die Handschrift jeweils geeigneten Verfahren zu finden – aber genau das macht den Beruf so interessant, wie sie versichern. „Restaurierung erfordert ein hohes Maß an handwerklichen Fähigkeiten sowie naturwissenschaftliche Kenntnisse und Forschung immer im Kontext mit der Geschichte der Objekte.“

Zum Tag der Restaurierung bietet die Stabi fünf Führungen zu ganz unterschiedlichen restauratorischen Themen an, die einen Überblick über die Vielfalt der restauratorischen Arbeit geben. Die Besuchenden können selbst entscheiden, für welches Thema sie sich am meisten interessieren und anmelden wollen. „In den jeweiligen Präsentationen steigen wir intensiver in die Thematik ein und präsentieren unsere Räumlichkeiten, die Objektgeschichte sowie Techniken, Werkzeuge und Materialien“, erklären die Restauratorinnen. „Wir möchten damit den Besuchenden einen einzigartigen Einblick hinter die Kulissen verschaffen.“

Restaurierung in der Staatsbibliothek © Staatsbibliothek zu Berlin

Insgesamt wird am 9. Europäischen Tag der Restaurierung dem Publikum also ein spannender Einblick in alle Facetten der Restaurierungsarbeit geboten – vom Museum bis zur Bibliothek und von Papier bis zu Metall und Stein.

Das gesamte Programm gibt es auf der Webseite des Tags der Restaurierung.


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