Lotte, Irena und die anderen: Das sechste Bauhaus-Dinner im Dessauer Kornhaus feierte die Fotografinnen der berühmten Schule und schweißte die Bauhaus-Familie eng zusammen.
Sonnenuntergang am Elbufer des Dessauer Kornhauses. Eigentlich gibt es für Enthusiast*innen der Moderne kein schöneres Bild. Doch diesmal entspannen sich keine Ausflügler*innen auf der Terrasse, die Musik (von der neuen bauhauskapelle weimar) spielt in Carl Fiegers berühmter Gaststätte, übrigens dem einzigen Bauhausbau am, Wasser. Das sechste Bauhaus-Dinner nimmt seinen (Vor)-Lauf und curacaoblau schimmert der Aperitif in der Abendsonne. Die Stiftung Bauhaus Dessau hatte sich die rollende und kreative Speisetafel diesmal nach Anhalt gewünscht, denn hier wurde vor 100 Jahren das Bauhausgebäude von Walter Gropius eröffnet. Die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und die SPK, die die Dinner immer wieder initiieren, kamen dieser Bitte gerne nach, auch wenn es bei diesem Projekt vor allem darum geht, Orte der Moderne abseits der bekannten Stätten vorzustellen.
Im großen Saal des Lokals mit seinen zitronengelb-lachsfarbenen Unterzügen ist eine kleine Ausstellung aufgebaut. In den Vitrinen liegen Schwarz-Weiß-Fotografien von Lotte Stam-Beese und Irena Blühová, um die es an diesem Abend gehen wird. Letztlich auch darum, dass Bauhaus-Fotografie im Grunde sehr weiblich war, wie auch die grandiose Ausstellung des Bauhaus-Archivs im Museum für Fotografie so eindrücklich zeigt.
Stam-Beese wird am Bauhaus das magnetische Leben einfangen, experimentieren und wunderschöne Porträts herstellen, sich dann aber der Architektur und dem Städtebau widmen, Blühová kommt aus der slowakischen Avantgardebewegung, aus dem Umfeld der Kunstgewerbeschule Bratislava und ist, als sie nach Dessau kommt, schon berühmt für ihre schonungslose Sozialfotografie. Zeigen, was ist, soziale Schicksale dokumentieren, sich den einfachen Menschen widmen. Unglaublich, wie kraftvoll diese Aufnahmen auch nach fast hundert Jahren immer noch wirken, wie sie unter die Haut gehen und den Blick für das Wesentliche haben.
„Gestaltung und Struktur haben immer einen emotionalen Wert. Sie müssen ein Gefühl transportieren“, sagt Lotte Stam-Beese. Und genau darum geht es auch an diesem Abend, der das Dessauer Bauhaus nicht nur feiert, sondern es in die Zeit stellt, Vertreibung, Bedrohung und letztlich Schließung nicht ausspart. Ministerpräsident Sven Schulze, Bauhausdirektorin Barbara Steiner und SPK-Präsidentin Marion Ackermann erinnern daran, dass es heute eine Partei gibt, die wieder vom „Irrweg der Moderne“ spricht und das Bauhaus mit demselben Vokabular bekämpft wie es in den 1930er Jahren schon einmal zu lesen und zu hören war. Der Abend bekommt eine nachdenkliche Note, aber jeder im Saal spürt diese große Verbundenheit mit den angegriffenen Dessauer Kolleg*innen.
Das Bauhaus lebt in der Festgesellschaft, und wie! Kontakte werden geknüpft, Verbindungen geschmiedet, Projekte verabredet. So soll es sein, so ist es gedacht. Als sich die Initiator*innen Manon Bursian von der Kunststiftung und Ingolf Kern von der SPK verabschieden, werden schon neue Orte genannt, an denen das Bauhaus-Dinner doch mal gastieren könnte. Jetzt aber erstmal glücklich durchatmen.
























































































