Wir müssen jetzt weit nach vorn und in die Welt schauenFokusinterview SPK-Jahresbericht 2025

Feature

SPK-Präsidentin Marion Ackermann und Staatsbibliothek-Chef Achim Bonte über ein entscheidendes Jahr, neue Baustellen und die Glaskugel als Arbeitsmittel

Wir treffen uns in der Staatsbibliothek Potsdamer Straße und damit mitten in einem Großprojekt. In gut vier Jahren wird das Bücherschiff von Hans Scharoun, in dem neben der Staatsbibliothek auch das Ibero-Amerikanische Institut untergebracht ist, für elf Jahre geschlossen und generalsaniert.

Mitarbeitende und Medien ziehen um, ein Ersatzneubau wird an der Tiergartenstraße errichtet. Überhaupt ist am Kulturforum viel los: Drüben wächst das berlin modern, die Philharmonie steht auch bald zur Sanierung an. Ist das Kulturforum die neue Dauerbaustelle der SPK?

Achim Bonte: Die Stiftung ist insgesamt eine Dauerbaustelle, weil sie sich regelmäßig neu erfinden muss. Und die Jahre und ihre wechselnden Anforderungen gehen auch an den Gebäuden nicht spurlos vorbei: dieser ikonische Bau hier von 1978 braucht jetzt dringend eine Sanierung, auch weil er als Leitbau für das internationale Bibliothekswesen wieder strahlen soll.

Was muss gemacht werden?

Bonte: Wichtig ist die Asbestbeseitigung und die Erneuerung der technischen Anlagen. Gleichzeitig geht es aber um noch viel mehr: Wir möchten die Scharoun’sche Idee noch etwas besser ausformen.

Der Architekt hat ja ein sehr offenes Gebäude mit einer starken Beziehung von außen und innen gebaut. Ich glaube, wir haben sein Prinzip der Offenheit und Durchlässigkeit damals gar nicht so richtig verstanden. Heute begrüßen wir es, weil die Bibliotheksentwicklung genau in diese Richtung geht. 

Die Stiftung braucht doch aber nicht nur bauliche Sanierungen … 

Marion Ackermann: So ist es. Es wäre unrealistisch, zu sagen: „Jetzt haben wir ein paar Jahre Baustelle und danach ist alles perfekt.“ Wenn wir Kulturerbe bewahren, müssen wir uns immer auch um eine Neuinterpretation kümmern. Das gilt für Bauten wie für Sammlungen.
Es geht darum, diese Arbeit offenzulegen und als Prozess sichtbar zu machen. Genau das lernt man in Berlin. Wir stehen alle immer auf den Schultern von Riesen, weil wir auf große, bedeutende Traditionen aufbauen.

Darum ist es unsere Aufgabe, von hier aus ganz weit nach vorne zu schauen und immer wieder zu fragen: Was wird für die nächsten Generationen wichtig sein, was können wir jetzt für diese tun und jetzt öffentliche Mittel dafür einsetzen?
 

Bereits in den 1960ern, die Staatsbibliothek in West-Berlin entstand, gab es laute Stimmen gegen diese Investition. Ein Kritiker monierte in der Presse: „Wenn man wirklich 50 Millionen Mark ausgeben will, dann soll man das nicht für ein Büchermuseum tun. Man kann Berlin doch wirklich auf andere Weise helfen.“ Sehen Sie Parallelen zu aktuellen Debatten, die die Sanierung als zu teuer kritisieren?

Bonte: Hier wird ein Klischee reproduziert, das damals schon falsch war: Die Stabi ist kein Büchermuseum, heute noch weniger als damals. Die Bibliothek ist ein Ermöglichungsraum, der analogen und digitalen Content bietet, aber auch Arbeitsmöglichkeiten, einen differenzierten Gesprächsraum. 
Ein Raum für die ganze Gesellschaft, um sich zu konstituieren, um Erkenntnis zu fordern, Wissen zu verbreiten. Bibliothek ist seit jeher multifunktional gewesen und heute immer mehr auf dem Weg, eine soziale Wissenserkenntnis- und Kommunikationsmaschine zu sein. Allein das begründet schon ihren Daseinszweck.

Das Haus Potsdamer Straße ist im Übrigen auch städtebaulich besonders interessant: 1978 stand es mit dem Rücken zur Mauer, natürlich ohne Durchgang. Jetzt liegt es wieder im Herzen Berlins und wir werden im Rahmen der Grundinstandsetzung auch eine Traverse haben, sodass wir die Alte Potsdamer Straße anschließen und so den Potsdamer Platz an das Kulturforum. Ich hoffe, dass wir auch für die Bundesstraße vorne noch eine Lösung finden, um das Kulturforum in einer ganz neuen Art und Weise wirklich miteinander zu verbinden und es zu einem kulturellen Kraftzentrum nicht nur Berlins, sondern Deutschlands und Europas zu machen.

Zwei Menschen tragen Bücherkisten

Generalsanierung des „Bücherschiffs“ am Kulturforum

Das als „Bücherschiff“ bezeichnete Haus Potsdamer Straße, in dem die Staatsbibliothek und das Ibero-Amerikanische Institut untergebracht sind, ist einer der bedeutendsten und größten Kulturbauten Deutschlands.

Nach über 40 Jahren intensiver Nutzung müssen die Bausubstanz und nahezu alle technischen Anlagen des denkmalgeschützten Gebäudes von Grund auf instandgesetzt werden. Dabei wird das Haus auch deutlich energieeffizienter werden. Das Gebäude wird außerdem zu einer modernen, zukunftsorientierten und noch besucherfreundlicheren Bibliothek umgestaltet. 

Vor der Schließung des Hauses im Jahr 2030 finden umfangreiche vorbereitende Maßnahmen statt: Rund 5,4 Millionen Bücher werden auf vier andere Standorte verteilt. Auch die Unterbringung von rund 650 Mitarbeiter*innen während der Bauzeit muss sichergestellt werden. Dafür werden andere Standorte der Staatsbibliothek ertüchtigt und ein Ersatzneubau an der Tiergartenstraße errichtet. In diesem Ersatzneubau wird das Ibero-Amerikanische Institut seinen Betrieb aufrechterhalten und dort auch eine begrenzte Zahl an Leseplätzen anbieten.

Ackermann: Ich finde den Begriff „Büchermuseum“ diskussionswürdig, weil es Bibliotheken zwischen Archiven und Museen verortet. Wie Archive haben sie diese Unerschöpflichkeit an Wissen, das sich palimpsestartig übereinanderlagert. 

Bücher haben auch als Objekte ihre eigene Gültigkeit, in ihrer Sinnlichkeit. Allein die Buchgestaltung ist ja ein wichtiges und reizvolles Kapitel der Kunst- und Kulturgeschichte. Ich sehe da fließende Übergänge. Bibliotheken haben es übrigens wie keine anderen Kultureinrichtungen in Deutschland geschafft, sich zu den Menschen hin zu öffnen. 

Und wir sehen ja an den Nutzungszahlen der Stabi, dass sie steil nach oben gehen und dass viel mehr Menschen ins Haus kommen, als eigentlich Leseplätze vorhanden sind. Allein das ist schon Argument genug, hier zu investieren.

Wenn jetzt die Staatsbibliothek für zehn Jahre schließt – in welcher Gegenwart eröffnet sie dann wieder?

Bonte: Ich versuche mal den Blick in die Glaskugel: Derzeit stehen wir ja vor der nächsten großen Herausforderungswelle namens Künstlicher Intelligenz, die erheblich in das Management von Wissen und in die Beschleunigung von Wissensaufbau und Wissensweitergabe eingreifen wird. 

Ich sehe da mindestens so viele Chancen wie Herausforderungen. Uber der Beschäftigung mit diesen Fragen wird die Sehnsucht nach dem Materiellen, nach den Begegnungsraumen im Physischen eher zunehmen. Die Notwendigkeit, Räume zu haben, wo Menschen sich noch außerhalb der virtuellen Welten begegnen können, wird eher noch größer sein.

Und dem tragen wir bei der Grundinstandsetzung Rechnung, indem wir sehr stark darauf achten, dass die Räume entsprechend geeignet sind. Wir werden ein tolles Restaurant und eine Cafeteria haben, auch viel mehr Gruppenarbeitsräume. Zusammen mit den neugestalteten Terrassen und den Grünflachen bietet die Stabi dann ein nochmals deutlich verbessertes Raum- und Naturerlebnis.

Ackermann: So viele Menschen betonen immer wieder, dass sie sich in Bibliotheken so gut konzentrieren können oder sich so wohl und glücklich fühlen. Das hängt bestimmt damit zusammen, dass sie in einem sicheren Raum der Gemeinschaft sind, der gleichzeitig ein Mittel gegen Einsamkeit ist. Es ist eine Art von geistiger Freiheit, die das Lesen ermöglicht.

Bonte: Ich halte es für eine zentrale Frage, wie Gesellschaft im demografischen Wandel mit der Geißel Einsamkeit umgehen soll. Gerade in Zeiten von zunehmender Virtualität und sozialen Medien. Hier können Bibliotheken natürlich eine Rolle spielen. Ich wünsche mir zum Beispiel, dass wir gerade zwischen den Jahren die Stabi geöffnet lassen und ein besonderes Programm machen, einfach weil die Feiertage für einsame Menschen ein Fluch sein können.

Ackermann: Wenn ich mich früher bei meinen Kurierreisen ich erinnere mich beispielsweise an Chicago, einsam fühlte, bin ich einfach in eine Bibliothek gegangen. Die war 24 Stunden geöffnet, und es gab kostenlosen Kaffee. Oder so gerne auch die Bibliothek im British Museum, als sie noch unter der großen Kuppel verortet war und wo man zwischen den ledernen Sitzen quasi die Aura der großen Geister spüren konnte. Dahinter steht die Idee eines „Shelters“ also eines geschützten Raumes, die künftig an Relevanz vermutlich eher zunehmen wird.

Das Jahr 2025 war für die SPK ein Jahr des Neubeginns: neue Präsidentin, legitimierter Vorstand, modernes Gesetz plus Satzung, internationalerer Beirat. Die Jahre der Selbstbeschäftigung im Zuge der Reform sind vorbei, jetzt geht es darum, die neue SPK zu leben. Wie läuft’s?

Ackermann: Die gewisse Nabelschau, welche eine solche Reform mit sich bringt, ist vorbei, jetzt kommt die Entwicklung nach vorne. Dazu gehört auch, Resilienz auf jeder Ebene zu starken: in Bezug auf Gebäude, in Bezug auf Bauvorhaben, in Bezug auf finanzielle Spielräume, vielleicht sogar politisch. Wir haben nun einen internationaleren Beirat, der uns dabei hilft, uns noch besser in der Welt zu vernetzen. Ich selber arbeite mit Hochdruck daran, unsere internationalen Kooperationen auf allen Ebenen aufzuladen – auch als Beitrag zur Stärkung unserer Resilienz.

Ein ganz wichtiger Faktor wird für uns sein, mittelfristig und längerfristig vorplanen zu können, um trotz aller Volatilität mehr Stabilität hineinzubekommen. Wir müssen in der Lage sein, schnell und spontan zu reagieren in dieser sich stark wandelnden Welt. Daneben gilt es, auch den Strang des längerfristigen Planens stärken zu können, beides ist wichtig, agil und gleichzeitig stabil zu sein. Für 2026 sehe ich es als eines der Hauptthemen, neue Unterstützer*innen für uns zu gewinnen. Ein weiteres wäre, an der Frage unserer Kernerzahlungen zu arbeiten – weniger im Sinne von Marke oder Logo, sondern Narrative der Verdichtung und Vernetzung zu formulieren.

Ein Ziel der Stiftung ist, dass man stark vom Nutzenden, vom Besuchenden oder von den Mitarbeitenden her denkt. Also immer vom Menschen ausgeht. So ist es in der Strategie und den Wirkungsfeldern angelegt.
 

Bonte: Ich stutze immer ein bisschen, wenn es heißt, die Zeit der Selbstbeschäftigung ist vorbei. Das stimmt insofern, als dass wir jetzt das Rahmenwerk geschaffen haben. Nach außen ist die Reform abgeschlossen, nach innen noch lange nicht. Wenn wir unsere ambitionierten Ziele erreichen wollen, brauchen wir eine andere Betriebskultur. Wir brauchen „New Work“ in dem Sinne, dass wir die gesamten großartigen Kräfte, die in dieser Stiftung stecken, freisetzen. 

Dazu gilt es, unternehmerisches Denken und Handeln zu stärken, Verantwortung bis in die kleinste Zelle zu geben, Vertrauen und Zutrauen zu den Leuten in den einzelnen Einrichtungen und Bereichen zu haben. Es steht also noch die Aufgabe an, aus einer Kulturbehörde einen Kulturbetrieb zu formen, der die Menschen mitnimmt. Wir arbeiten an dieser Sinn-Erzählung, aber sie muss eben bei allen auch spürbar ankommen.

Ackermann: Wir sind noch mitten im Change-Prozess, keine Frage. Wenn ich Nabelschau sage, meine ich das durchaus selbstkritisch. Eine Menge der Besprechungen im zurückliegenden Jahr kreiste notwendigerweise um die eigene Beschaffenheit der Stiftung.

So wichtig ich es finde, unsere Mitarbeitenden für die neue SPK zu gewinnen: wir dürfen nicht nur nach innen schauen. Die Welt draußen wartet nicht auf uns. Schließlich haben wir einen Auftrag.

Sie gucken ja auch beide international, was so in der Kulturarbeit passiert? Was kann man international lernen für die SPK?


Ackermann: Es ist sehr wichtig, sich generell permanent in einem globalen Netzwerk anderen Perspektiven auszusetzen. Wir müssen schon auch aus unserer Komfortzone heraus und anerkennen, dass wir uns nicht auf unsere bisherigen Gewissheiten verlassen können. Denken wir nur an die Krise der liberalen Demokratie. Ich war vor kurzem wieder einmal in Singapur, wo Diversität und Toleranz als oberste Werte staatlich vorgeschrieben sind. In den Kultureinrichtungen ist alles viersprachig, die vier Religionen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Auf der anderen Seite ist es nicht vorgesehen, dort öffentlich zu demonstrieren. Oder in Marokko, wo der König angeordnet hat, dass zum Nutzen der nächsten Generationen eine reiche und vielfältige Museumslandschaft entsteht. Ich will damit nicht sagen, dass der Bundespräsident Museumsbesuche verordnen sollte, aber wir müssen mehr über andere Kultursysteme wissen, um uns auf die Zukunft einstellen zu können.

In Singapur wird jetzt beispielsweise ein Museum in ein experimentelles Labor umgewandelt, um zu erproben, inwieweit man ohne die hohen Energiekosten und schädlichen Impakt mit minimalen baulichen Eingriffen ein natürliches und gutes Klima für Kunstwerke erzeugen kann.

Bonte: Ich habe mir Bibliotheken in Skandinavien angeschaut. Die Kultur des Miteinanders ist dort stärker ausgeprägt. Das ist ein anderer Angang: Die Hierarchien sind so flach, dass man die gar nicht mehr merkt. Alle sind per Du und sehen sich als gemeinsames Team. Der Mensch in der Poststelle hat die gleiche Bedeutung wie jemand in der Führungsetage.

Bei anderen internationalen Kolleg*innen sehen wir eindrucksvolle Prozessoptimierung. Das klappt auch dank starker Softwareunterstützung und einem Mindset für möglichst umfassende Digitalisierung. Deutschland reist hier im europäischen und weltweiten Vergleich bekanntlich keineswegs voraus.

Spartenübergreifendes Denken macht ja die SPK aus. Wie kann man denn dieses Prinzip der Verdichtung und Vernetzung auf die Stiftung produktiv machen?

Ackermann: Durch die Vernetzung und Verdichtung erzeugen wir eine andere Brisanz. Die Fragen werden großer, gesellschaftlich bedeutender, elementarer, historisch stärker verankert, wenn wir sie in dieser Vernetzung stellen. Eine schmal definierte Tiefenbohrung zum Komponisten Paul Hindemith aus musikwissenschaftlicher Sicht erreicht sicherlich die Spezialisten.

Wenn man das aber weitet mit einem Nachdenken über die Kulturgeschichte der Abstraktion oder das Leben der Exilanten in der Türkei, zu denen Hindemith in den 1930er Jahren ja zahlte, kann man ein größeres Publikum erreichen. Oder nehmen Sie die Geschichte Grönlands, die plötzlich virulent geworden war. Es wächst beim Medienkonsumenten das Bedürfnis, sich stärker auszukennen. Dazu können wir durch die Komplexität der verschiedenen Wissensimpulse beitragen und das Denken aufladen. Diese Brisanz mit unserer Arbeit voll zu erzeugen, ist mir schon ein tiefes Anliegen.
Denn damit erreichen wir noch mehr Menschen aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft.

Ist es das, woran Sie gemessen werden wollen, Frau Ackermann?

Ackermann: Es ist das schönste Glück, Millionen von Gasten in unseren Häusern zu haben. Das ist wichtig für die Einnahmen, denn diese dienen ja zur Entwicklung unseres Programms. 2025 hatten wir 3,6 Millionen Besucher*innen in unseren Museen, was eine gute Bilanz ist. Wir haben unser Ergebnis gehalten. Trotz des rückläufigen Berlin-Tourismus und der gegenüber 2024 zurückgegangenen Übernachtungszahlen haben die Hauser auf der Museumsinsel oder dem Kulturforum wieder ein breites Publikum erreicht.

Ganz klar ist: Die fehlenden Flugverbindungen machen sich auch bei uns bemerkbar, der europäische Städtetourismus ist teuer geworden. Das heißt, wir müssen große Sonderausstellungen anbieten, die für den Tourismus interessant sind, aber gleichzeitig auch verstärkt in die Berliner Stadtgesellschaft wirken.

Quantität ist wichtig, aber ebenso Qualität. Ein ganz wichtiges Instrument bei der Ansprache der Berliner*innen sind, neben dem Programm und Outreach-Maßnahmen, unsere Jahreskarten. Jahreskarten richten sich an diejenigen, die wiederkommen und die unsere Angebote in ihrem Alltag regelmäßig nutzen. 2025 haben wir rund 40.000 Jahreskarten verkauft – 2.000 mehr als im Vorjahr. Darauf wollen wir aufbauen.

Die Staatsbibliothek von Hans Scharoun könnte sicher Millionen von Bänden mit Erinnerungen an das Bücherschiff füllen. Welche Anekdote hätten Sie beizutragen?

Ackermann: Für mich ist die Stabi für immer und ewig das Haus der Engel. Meine erste Begegnung mit diesem Haus, das ja beinahe die Anmutung einer Kathedrale hat, fand im Herbst 1987 indirekt statt, als Wim Wenders‘ Film Himmel über Berlin in die Kinos kam. Der Potsdamer Platz erschien darin als mit hohem Gras bewachsene Einöde in Schwarz-Weiß-Bildern. Es war zugleich mein erster Berlin-Besuch aus dem Zonenrandgebiet mit meinem kleinen Käfer über die Transitstrecke. Ich war 22 Jahre, fand keine Unterkunft und übernachtete am Ende in einer Telefonzelle.

Bonte: Ich werde nie den Moment vergessen, als ich bald nach dem Mauerfall, mit 27 Jahren, in der Cafeteria des noch recht neuen Hauses Potsdamer Straße saß und auf das einsame Weinhaus Huth und die beräumte Flache des Potsdamer Platzes schaute. Dass ich dieses gewaltige Schiff einmal wurde fuhren dürfen, wäre mir damals nicht einmal im Traum eingefallen. Als Geschichtsstudent in der Promotionsphase war ich von den reichen Beständen beeindruckt – und von der bemerkenswerten Freundlichkeit der Leihstellen- und Auskunftsmitarbeitenden. Die Freundlichkeit der Kolleginnen und Kollegen und ihre immense Leidenschaft für das, was sie tun, das hat sich bis heute erhalten.


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