Cattelan bei Mies, Ersan Montag bei Cranach und eine achtköpfige materialistin: Die SPK startet in den Kunstherbst.
Die letzten Augusttage sind angebrochen – aber das Sommerloch blieb bei der SPK auch in diesem Jahr aus. Der Hamburger Bahnhof lud den gesamten Sommer über wöchentlich zum Tanzen bei Berlin Beats. Das Museum Europäischer Kulturen entführt in die kühlen Bergwelten Tirols. Und während eine partielle Sonnenfinsternis die Schutzbrillen knapp werden ließ, wurde auf der Museumsinsel passenderweise mit Chopins Nocturnes die enge Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Warschau zelebriert. Doch bevor der Monat sich dem Ende neigt, steht das nächste Kulturgroßereignis vor der Tür: Zur Langen Nacht der Museen öffnen 75 Berliner Museen ihre Türen, darunter 15 Häuser der SPK.
Doch nach der Langen Nacht ist vor der Berlin Art Week, die alljährlich den Kulturherbst einläutet.
Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums verwandelt sich das Kulturforum vom 9. bis 13. September 2026 zum zentralen Festivaltreffpunkt: Mit dem „Berlin Art Week Garten“ wird das Forum zum offenen Begegnungsort, der Institutionen, Partner*innen und Publikum zusammenbringt. In unmittelbarer Nachbarschaft der Neuen Nationalgalerie und der Gemäldegalerie können Besucher*innen an Workshops teilnehmen, Performances, DJ-Sets und Talks beiwohnen oder Screenings besuchen – selbstverständlich kostenlos und offen für alle. Der angeschlossene „LeseGarten“ lädt zum Ankommen und Verweilen ein.
Aber nicht nur draußen, auch drinnen haben unsere Häuser ein sensationelles Programm zu bieten. Hier sind nur einige der vielen Highlights in der SPK:
Ein Tableau vivant der Vergänglichkeit: „Alternde Meister“ – Ersan Mondtag und Nadim Samman in der Gemäldegalerie
„Because I’m still in love with you, on this harvest moon,“ sang Neil Young über die Liebe und dem Mond, dessen helles Licht einst die letzte Ernte des Jahres begleitete. Liebe und Vergänglichkeit – eine Vanitas der letzten Früchte des Sommers – finden sich auch in der Gemäldegalerie wieder: Ersan Mondtag und Nadim Samman inszenieren einen Dialog zwischen 25 Performer*innen und der Sammlung der Gemäldegalerie. Den Bildwelten der Alten Meister stellen sie die Vergänglichkeit heutiger Körper und Lebensgeschichten gegenüber. Zwischen Theater und Museum entsteht ein Tableau vivant, das um Erschöpfung und Erneuerung, Verschwinden und Fortbestehen kreist. Zugleich wird die Performance zu einem Porträt Berlins – einer Stadt, die sich beständig mit den Spuren des Alters und ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzt.

Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Katrin Hammer
Cattelan, Performances und Mies: Die Neue Nationalgalerie als Bühne
Ab dem 10. September 2026 präsentiert die Neue Nationalgalerie mit „NIGHT“ die erste große Einzelausstellung des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan in Deutschland. Cattelan setzt sich mit Identität, Gewalt und historischer Erinnerung auseinander und verbindet diese Themen mit der ikonischen Architektur Mies van der Rohes. Das Gebäude selbst wird Teil der Inszenierung.
Daneben präsentiert die Neue Nationalgalerie die fünfte Ausgabe des Festivals „Perform!“ mit Trisha Browns ›Walking on a Wall‹ (1971) sowie zeitgenössischen Arbeiten, darunter Kiani del Valles eigens für das Haus entwickelte Performance ›Instrucciones para existir‹. Damit verbindet die Neue Nationalgalerie erneut historische Performance-Positionen mit aktuellen künstlerischen Arbeiten.

© Neue Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Ivan Erofeev
Neue Positionen und ein Abschied: Die Berlin Art Week im Hamburger Bahnhof
Natürlich beschränkt sich die Art Week nicht nur auf das Kulturforum. Auch der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart wird in dieser besonderen Kunstwoche zum Hotspot: Ob Symposium zu Museen in Berlins Nachbarregionen, Artist Talks, oder Open Air Musik im Museumsgarten – der Hamburger Bahnhof wird zur Berlin Art Week zum Ort der Vernetzung zwischen Museen, Kulturinstitutionen und Künstler*innen. Besonders interessant: Das Symposium „Kunsträume Ost: Zur Rolle der Museen in Berlins Nachbarländern“, welches sich am Freitag, 11. September, ab 11 Uhr, überregionaler Sichtbarkeit und demografischem Wandel in politisch aufgeladenen Zeiten widmet. Auch Gruppenausstellung [materialistin] zeigt Skulpturen und raumspezifische Installationen von acht in Leipzig arbeitenden Bildhauerinnen. Ihre Werke setzen sich mit gesellschafts- und kulturpolitischen Fragen auseinander und rücken neue Formen kollektiver Praxis und Solidarität in den Mittelpunkt.
Letzte Chance zur Art Week: Giulia Andreanis Einzelausstellung „Sabotage“ ist noch bis zum 13. September zu sehen. Mit ihren Gemälden, die Brüche in offiziellen Geschichtsschreibungen sichtbar machen, eröffnete sie im Februar das Jubiläumsprogramm des Hamburger Bahnhofs. Ihre besondere Praxis des „Malens mit Fotografien“ stellt autoritären Figuren vergessene Gestalten der Vergangenheit gegenüber. Die Berlin Art Week bietet die wirklich letzte Gelegenheit, diese besondere Ausstellung zu besuchen und lädt am 12. September zu einem Gespräch über Werk und Ausstellung mit der Künstlerin selbst ein.

Zum fünften Mal lädt das Kulturforum Berlin am 13. September zum großen Festival „Ein Tag im Grünen“ ein. Passend zum Tag des offenen Denkmals steht in diesem Jahr die weltweit einzigartige Architektur im Mittelpunkt. Denn die Bauten von Mies van der Rohe, Scharoun und co. sind nicht nur Kulisse, sondern werden selbst immer wieder zum Mittelpunkt künstlerischer Inszenierungen, wie die Art Week beweist.
Zum Tag im Grünen kommt wieder Berlins längste Tafel zum Einsatz und es erwartet den ganzen Tag über ein abwechslungsreiches Programm aus Musik und kulinarischen Angeboten, unter anderem vom Künstlerkollektiv Bündnis Feuer & Flamme. In verschiedenen Rundgängen lässt sich das Kulturforum aus unterschiedlichen Perspektiven entdecken: architekturhistorisch oder künstlerisch beim Urban Sketching sowie beim Photo-Walk.
Mit den Einrichtungen der SPK lässt sich der Herbst so noch einmal in all seinen Farben feiern: Performance, Visuals, Gespräche und neue künstlerische Perspektiven bieten Inspiration für die kommenden Monate. Die Art Week markiert den Auftakt des Kulturherbstes. Und wer sich fragt, was die kommenden Monate bringen, darf gespannt sein: Bei der SPK bleibt es lebendig.

Foto: © Stefanie Heider


















































































































































